Freitag, 15. Januar 2016

[Lernen] So bereitest du dich optimal auf das Abitur vor

Jahrelang bist du zur Schule gegangen und plötzlich hast du es tatsächlich geschafft und das Abitur steht vor der Tür! Das jahrelange Lernen und Zeitinvestieren soll sich jetzt auszahlen - komprimiert in ein paar wenigen Prüfungen.
Nach und nach fangen alle mit dem Büffeln an und du hast keine Ahnung, wieviel du lernen sollst oder ob du nicht eh schon zu spät damit dran bist. Keine Panik, jetzt ist genau der richtige Moment, um anzufangen.

Ob du es mir jetzt glaubst oder nicht, die Abiphase geht so schnell vorbei - und sie schweißt dich noch einmal mit deinen Klassenkameraden zusammen, schließlich macht ihr alle das Gleiche durch!

Ich habe 2012 Abi gemacht und möchte euch gerne zeigen, wie ich mich auf die Prüfungen vorbereitet habe.


Dezember: Mach dir klar, in welchen Fächern du dich prüfen lassen wirst.

 



Das klingt so banal, ist aber so entscheidend. Einige Fächer werden wohl schon verpflichtend feststehen, zum Beispiel deine Leistungskurse*. Ein paar darfst du selbst auswählen. Dabei solltest du grundsätzlich die Fächer wählen, bei denen deine Chancen auf eine gute Note möglichst gut sind. Du solltest aber auch bedenken, dass die regulären Kursnoten dann meistens auch in die Abi-Note eingebracht werden müssen - das kann deinen Schnitt heben oder senken. Auch die Wahl, ob du dich schriftlich oder mündlich prüfen lässt, kann sich auf die Prüfungsnote auswirken.
Ich war schriftlich in Englisch zum Beispiel immer sehr gut, aber fließend sprechen konnte ich es nicht gut. Somit habe ich mich schriftlich prüfen lassen und 14 Punkte errreicht - das hätte ich mündlich niemals!
Lass dich ruhig auch von deinen Lehrern beraten. Es gibt Prüfungen, die einfach sehr schwer sein sollen. Bei uns galten Geschichte und Religion schriftlich als schwierig, während bei mündlichen Prüfungen Lehrer darauf achten können, dir Aufgaben zu Themenbereichen zu stellen, bei denen du ihnen schon im Unterricht positiv aufgefallen bist. In der Regel hast du hier gute Chancen, wenn du auch schon im Unterricht gut mitgearbeitet hast.

Anfang Januar: Mach dir einen Lernplan für die schriftlichen Prüfungen.


Mein Lernplan - ich habe nur das aufgeschrieben, was ich nicht konnte bzw. wiederholen möchte

Sobald das letzte Halbjahr (das Prüfungshalbjahr) anbricht, hast du alle Themen, die im schriftlichen Abitur drankommen können, im Unterricht behandelt*. Damit kannst du jetzt auch mit dem Lernen beginnen. Da in eineinhalb Jahren viel Stoff zusammenkommt, solltest du zunächst für jedes schriftliche Abiturfach (das mündliche Abi ist meistens viel später und dazwischen ist viel freie Zeit) die Themen auf einem Blatt sammeln. Die relevanten Themen entnimmst du deinen Unterlagen und wirf auf jeden Fall einen Blick in die Lehrpläne, wenn ihr Zentralabi habt! Dort steht genau, was du können musst. Manche Lehrer behandeln nicht alles, aber deshalb willst du ja trotzdem vorbereitet sein oder nicht?
Wusstest du, dass nicht alles, was im Unterricht behandelt wurde, auch prüfungsrelevant ist? Für manche Fächer, wie Bio und Mathe, gibt es Handreichungen (Hessen), in denen klipp und klar steht, was man auswendig "reproduzieren", also erklären kann, und wovon man nur so eine grobe Ahnung haben muss*.
Wenn du alle Themen notiert hast, überlege dir, wann du Zeit zum Wiederholen hast. Ich habe für jedes Fach einen Nachmittag pro Woche gewählt. Montags habe ich zum Beispiel Mathe wiederholt und freitags war Bio dran. Für Englisch musste ich nicht viel wiederholen, daher habe ich das dienstags gemacht, wenn ich nicht arbeiten war. Viel kannst du auch über Fasching erledigen.
Notiere dir alle Termine bis ca. zwei bis drei Wochen vor den Prüfungen (Prüfungstermine für Hessen). Verteile dann die Themen sinnvoll auf die Termine. Ich habe mir dafür eine Liste am PC erstellt. So konnte ich die erledigten Aufgaben auch immer abhaken, was mich motiviert hat. Teile dir am Anfang lieber etwas mehr  Aufgaben zu, damit du am Ende noch Luft hast, falls sich etwas aufschiebt. Oder etwas freie Zeit zum Ausruhen :)
 

Handreichungen für das Hessische Abi in Bio

 

Januar - 3 Wochen vor den Prüfungen: Halte dich halbwegs an deinen Lernplan.

 



Beim Lernen bis ca. drei Wochen vor der ersten Prüfung geht es vor allem um das Wiederholen und Ins-Gedächtnis-rufen der Inhalte. Dazu kannst du dir deine Bücher nehmen, im Internet recherchieren und auch mal eine Aufgabe zu dem Thema bearbeiten. Erst wenn deine eigenen Fragen geklärt sind und du dich sicher fühlst, ist das Thema abgehakt.
Ein stundenlanges Bearbeiten von alten Prüfungen aus den letzten Jahren halte ich jetzt noch nicht für sinnvoll. Das kannst du machen, wenn du mit dem Lernplan durch bist, und ganz intensiv in der Phase direkt vor der entsprechenden Klausur.
Schreibe dir zu jedem Thema wenigstens ein paar Stichpunkte oder Sätze auf. Markiere dir die entsprechenden Formeln in der Formelsammlung. Blättere durch deine Hefte und die Klausuren, die ihr geschrieben habt. Stelle dir so deine persönliche Wissenssammlung zusammen. Fasse dich aber kurz.
Wenn du mit dem Lernpensum für einen Tag fertig bist, aber gerade in einem Flow bist und noch Zeit hast, fang mit den Themen vom nächsten Mal an. Du wirst jetzt gut lernen können und nächstes Mal freust du dich, weil du weniger zu tun hast. Je früher du mit Wiederholen fertig bist, umso selbstsicherer wirst du dich fühlen.
Natürlich kannst du auch mal ein Thema nach hinten verschieben oder tauschen, nur solltest du nicht alles aufschieben. Du wirst es bereuen.

3 Wochen vor den Prüfungen: Bearbeite die Aufgaben aus den Vorjahren.

 


Dieser Tipp gilt auch für das mündliche Abi. Für jedes Fach und jedes Bundesland gibt es die Abiturprüfungen der letzten Jahre. Kaufe dir diese roten Bücher! Und bearbeite die Klausuren als wäre es eine richtige Prüfung. So bekommst du ein Gefühl für die Fragestellungen und den Umfang. Du merkst, wie lange du brauchst (keine Angst, in den Prüfungen ist mehr Zeit vorhanden als in normalen Klausuren. Dank Einlesephasen kannst du dir auch schon Gedanken machen, bevor du anfängst zu schreiben.) und kannst so für deine Prüfungen trainieren. So wirst du viel ruhiger in die Prüfung gehen. Und schau nicht sofort in die Lösungen, sondern versuche es selbst zu lösen. Schließlich hast du ja alles wiederholt ;)
Oft hatte ich ein paar Tage vor den Prüfungen frei (oder ich habe mir selbst frei gegeben - die Prüfungsphase ist so chaotisch für die Lehrer, weil jeden Tag Schüler aufgrund von Prüfungen fehlen, da fällt das nicht auf. Und da so viele fehlen, wird auch nichts Wichtiges besprochen. Natürlich solltest du deine Prüfungskurse weiter besuchen!) So konnte ich vormittags eine Klausur bearbeiten und nachmittags noch mal eine. Du musst das Buch auch nicht von vorne bis hinten durchackern! Du wirst merken, wenn du schon beim Lesen der Aufgabenstellung die Aufgaben im Kopf grob löst oder weißt, dass das kein Problem wird. Dann kannst du aufhören :)
Kurz vor der Abiprüfung (ein bis zwei Tage) solltest du dich nur noch auf dieses Fach konzentrieren. Mach lieber gar nichts (Kuchen backen zum Beispiel) als für ein anderes Fach zu lernen.

Während den Prüfungen: Stell dir einen Wecker. Oder zwei.

 




Jetzt heißt es: Augen zu und durch!

  • Achte darauf, dass du nicht verschläfst. Sage vielleicht auch deinen Eltern, wann sie dich wecken sollen. Nichts ist schlimmer, als zu spät zu kommen.
  • Packe deine Tasche in aller Ruhe. Nichts vergessen! Nimm lieber ein zweites Geodreieck oder einen zweiten Taschenrechner mit. Wenn du ihn nicht brauchst, braucht in vielleicht ein Klassenkamerad! Nimm dir Wasser und was zu essen mit, aber nichts was Lärm macht. Weintrauben oder Apfelspalten eignen sich. Gerne auch ein bisschen Schokolade, aber dann packe die Tafel vor Beginn der Prüfung aus.
    Ich hatte eine große Tafel dabei, aber ich habe kaum etwas gegessen, weil es so laut geraschelt hat und ich meine Klassenkameraden nicht ablenken wollte.
  • Stelle dich zu den Leuten, die dir gut tun. Wenn sie dich nervös und unsicher machen, geh weg. Wissen abgleichen kann dich auch sicher machen, wenn du merkst, dass du alles kannst. Schau einfach, was dir passt. Wünsche deinen Freunden viel Glück.
  • Schalte dein Handy aus. Nicht Lautlos. Kein Flugzeugmodus. Komplett aus.
    Es gilt als Täuschungsversuch, wenn du es nicht machst! Meist musst du es eh abgeben. Mach es trotzdem bitte aus. In meiner Bio-Prüfung hat ein Handy geklingelt und natürlich hat sich keiner getraut, zuzugeben, dass es seins war. So mussten wir schreiben, während es laut geklingelt hat. Mehrmals.
  • Zieh dir eine Armbanduhr an. Weil dein Handy nämlich aus ist und nicht in jedem Raum eine Wanduhr hängt. Und du willst doch nicht unnötigerweise in Panik verfallen, weil du nicht weißt, wie spät es ist? Oder zwanzigmal die Aufsicht nach der Uhrzeit fragen müssen?
  • Schummel nicht. Bitte. Du hast über zehn Jahre auf diesen Moment hingearbeitet. Willst du wegen Schummeln durchfallen? Du kannst ohne Spicker bestehen, sonst wärst du nicht zugelassen worden. Das ist das Risiko nicht wert. Du würdest es dein Leben lang bereuen.
  • Stelle Fragen, wenn nötig. Der Lehrer ist dein Freund. Das solltest du eigentlich während der Oberstufe gemerkt haben. Sie haben genau so einen Bammel wie du, dass ihr Kurs im Vergleich zu anderen Schulen schlecht abschneidet.
    Wenn dir etwas unklar ist, melde dich und frag nach. Meiner Erfahrung nach geben manche Lehrer richtig Tipps und "schubsen" dich in die richtige Richtung. Manchmal sogar, ohne dass du sie etwas gefragt hast :D
  • Achte auf deine Rechtschreibung. Sie zählt in allen Fächern. Sogar in Mathe mussten wir unsere Wörter zählen.
    Markiere Textstellen beim Schreiben, wenn du da später noch Fehler korrigieren musst. Am Ende bleibt meistens Zeit übrig, in der du deine Texte durchlesen solltest. Dabei findest du die einen Großteil der inhaltlichen und formalen Fehler.

Nach den schriftlichen Prüfungen: Ruh dich aus

 



Nach den schriftlichen Prüfungen fangen meistens die Osterferien an. Also hast du eh nicht viel Zeit. Im Anschluss hast du ja auch wieder normal Unterricht und meistens werden dort auch noch Klausuren geschrieben oder Präsentationen gehalten. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt dir also nicht.
Irgendwann endet dann die Unterrichtsphase, bei mir war das Mitte Mai. Das handhabt aber jede Schule anders.

Vor den mündlichen Prüfungen: Noch ein letztes Mal lernen!

 



Wahrscheinlich kennst du bereits die Ergebnisse der schriftlichen Prüfungen. Ich kann dich beruhigen: Das Schlimmste hast du damit geschafft! Die mündlichen Prüfungen gehen meist nur so 30 Minuten und sind schnell überstanden.
Nichtsdestotrotz willst du dein Niveau ja mindestens halten, oder? ;)
Also lerne wieder ausreichend. Dafür kannst du die wieder einen Lernplan machen. Da ich nur zwei mündliche Prüfungen und jeden Tag bis dahin frei hatte, habe ich auf einen Plan verzichtet und einfach so Stück für Stück gelernt. Das Wetter ist dann meistens auch schon sehr angenehm, sodass du draußen lernen kannst oder wenigstens in den Lernpausen einen Spaziergang machen solltest.
Du kannst auch hier wieder die Aufgaben aus den schriftlichen Prüfungen zum Üben nutzen, allerdings wird die mündliche Prüfung weniger ausführlich zu beantworten sein.

Du bekommst zunächst eine schriftliche Aufgabenstellung, meist mit mehreren Teilaufgaben, ähnlich aufgebaut, wie Klausuraufgaben. Dann hast du eine halbe Stunde* Zeit, um dir stichpunktartig Antworten zu notieren. Anschließend wirst du deinem Lehrer und meist zwei weiteren Lehrern, die Protokoll schreiben, deine Antworten zu den Fragen erläutern. Wenn er merkt, dass du fertig bist, wird er auf ein paar Aspekte genauer eingehen wollen, die ihm vielleicht in deiner Antwort gefehlt haben oder von denen er glaubt, dass du dazu etwas Gutes sagen kannst. Das war es dann auch schon. Kurz danach wirst du deine Note erfahren.

Ich empfand die mündliche Prüfung als sehr viel informeller als die schriftliche. Vor der ersten war ich sehr nervös, weil ich quasi "live" vor drei Lehrern reden muss, aber da ich mich vorher auf die Fragenstellung einstellen konnte und meine Stichpunkte hatte, hat es mich eher an ein Gespräch erinnert.
Die Lehrer sind sehr freundlich. Ich wurde von meinem Geschichtslehrer in den Prüfungsraum geführt und auf dem Weg dahin hat er mich gefragt, ob mir die Frage liegt, um seine Fragen entsprechend anpassen zu können. Auf dem Tisch, an dem wir zu viert saßen, stand sogar ein Strauß Blumen!

Nach den mündlichen Prüfungen: Du hast es geschafft!

 



Spätestens nach der letzten Prüfung setzte bei mir Wehmut ein. Ich werde nie wieder zur Schule gehen, nie wieder meinen Jahrgang auf einem Haufen sehen, die meisten Lehrer nie wieder sehen, und wenn, haben sie einen vielleicht schon vergessen!
Das Trostpflaster, was es dafür gibt, nennt sich Zeugnisverleihung und Abiball! Nach dem Ball werden alle in alle Richtungen auseinandergehen wie die Samen einer Pusteblume. Vermutlich hast du vor lauter Lernen und Abiturprüfungen daran keinen Gedanken verschwendet, aber jetzt ist der richtige Moment dafür! Genieße die letzten Momente mit deinen Freunden! Ihr habt es geschafft!
Macht Erinnerungsfotos, fragt einander, wie ihr in Kontakt bleibt.
Jeder wird dir erzählen, was er jetzt vor hat: Studieren, reisen wie auch immer: du wirst dir die komplizierten Studienfächer und Ländernamen nicht alle merken können und es ist auch egal, weil all das für ein paar Momente noch in weiter Ferne liegt...


_____________________________________
* Das Abitur ist in jedem Bundesland etwas anders. Teilweise gibt es Leistungskurse, in manchen Ländern auch nicht. Auch die Zahl der Prüfungen unterscheidet sich. Ich habe Abitur in Hessen gemacht und beziehe mich darauf. Die Regeln können aber leicht angepasst überall angewendet werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen